Traumpfad - Wien, Planet Music - International Austrian Band Contest - 07.04.2007

07.04.2007 | Konzerte | Keine Kommentare

Auf dem Traumpfad vom Halbfinale direkt ins Finale - Ein Bericht von der „etwas anderen Kaffeefahrt"

TraumpfadDie Macher des „International Live Award" verstehen es prächtig die Spannung bis zum Schluss auch noch zu steigern. War es in den Vorrunden und Viertelfinales noch so, dass jeweils die ersten drei Bands jedes Ausscheidungstermins in die nächste Runde kamen, sollten am Ende die drei Semifinales gemeinsam eine Ergebnisliste bilden, aus der die zehn punktbesten Bands das endgültige Finale am 01. Mai bei der „Rock gegen Rechts Bühne" auf dem Wiener Pratergelände bestreiten. So waren also Traumpfad Sieger des ersten Semi-Final-Abends, mussten aber bis zum Dienstag warten um die endgültige Finalteilnahme bestätigt zu sehen.

Hier also die Geschichte einer „etwas anderen Kaffeefahrt" (O-Ton eines Busreisemitgliedes). Karsamstag kurz nach elf Uhr vormittags: Zwei(!) fast vollbesetzte Busse brechen auf nach Wien – insgesamt fast 80 Leute. Mit an Bord die fünf Hauptprotagonisten von Traumpfad, Freunde, Familienmitglieder, Fans und Mitglieder mehrerer befreundeter Bands, die ihre Kumpels lautstark zu unterstützen gedachten. Gesichtet wurden Musiker von Mosaik, Elsbeth, Clax, Battle Creek, Kollaps Seven und die Underground Freakbrothers, sowie die Ritterkumpane von Schlagzeuger Flo Huber. Über die A1 ging es bei strahlendem Sonnenschein flott voran, an Salzburg (wo wir noch einige Fans aufsammelten), Linz und Amstetten vorbei bis St. Pölten und Wien hinein. Am schicken Schloss Schönbrunn vorbei, den Gürtel entlang in die Neustadt hinüber. Wien ist eine Stadt der Kontraste. Hier ein schick renoviertes Altstadt-Palais, zwei Häuser weiter ein ähnliches Haus, schlampig und lieblos dem Verfall preisgegeben. Dafür verfügt Wien in Spittelau über ein Fermwärmewerk mit moscheeartigem Abluftturm - gestaltet von Friendensreich Hundertwasser. Dank an die Raucher, die mit zwei Raucherpausen an der Autobahn zufrieden waren. Dank auch an Traumpfad für die Freigetränke im Bus!

Der Eingang des Kellerclubs „Planet Music" wirkt zwischen all den Wohn(hoch)häusern auf den ersten Blick fast wie ein Bunker und von aussen nicht sehr einladend. Innen entspricht die Atmosphäre dann einfach wieder einem "normalen" Club. Da noch etwas Zeit war, überfielen sämtliche Reisepassagiere zunächst einmal die Restaurants in der näheren Umgebung. In einer Pizzeria in nächster Nähe gab es nicht nur wagenradgroße Pizzen mit enorm viel Belag drauf, sondern auch „Steirischen Backhendlsalat" mit knusprigem Fleisch von mindestens einem Hendl plus einer netten Menge Kürbiskerne und –kernöl, sowie pro bestellte Portion zwei Wiener Schnitzel auf einem Teller, die selbst der ausgehungertste Passagier kaum bewältigen konnte. Die so freundlich angebotenen bunten Ostereier zum Nachtisch mussten wir wegen Gefahr der Überfressung leider zurücklassen.

Derartig gestärkt war die Truppe bereit für den bevorstehenden Marathon von 9 Bands und einem „Special Guest". Die österreichischen Reggae-Popper THE SMILING SUNRISE BAND mussten pünktlichst beginnen, was hiess wir hatten sie verpasst. NO GRAVITY aus der Slowakei boten einen eingängigen Mix aus Nu Metal, Alternative und Elektronik – engagierten Crossover, der aber leider nicht belohnt wurde. Platz neun, trotz guter Ideen, ansprechender Performance und guten Lichteffekten. Die Postrocker der SAMMY SOSA BAND aus Ungarn boten eine feine Show im Stile von Oceansize und Sigur Ròs, konnten aber mit ihrer viel zu ruhigen, in sich gekehrten und melancholischen Musik auf Dauer nicht wirklich punkten und wurden achte.

Die Beatles-Oasis-ähnlichen Akustik-Pop-Rocker POEM BY HARD erreichten den Vierten Platz der Samstagswertung. Allerdings hielt die Besetzung von drei Akustik-Gitarren und einer Violine leider gar nichts von dem was sie anfangs versprach. Da wurden leider jede Menge kreative Möglichkeiten vergeudet. Mit den Pop-Rockern von ALONE war eine weitere slowakische Band am Start. Eine solide, aber brave Show ohne jegliche Ecken im Stile der Sportfreunde Stiller bescherte ihnen den dritten Platz. Die österreichischen Rocker von EXPERIENCE hatten sich den zweiten Platz wirklich hart und zu recht verdient. Mit einem witzigen und frechen Mix aus Nu Metal-Riffs, Pop, Rock und Reggae-Groove boten die jungen Krawattenträger eine mitreißende und überzeugende Show.

Dann war es endlich Zeit für TRAUMPFAD den Hammer von der Wand zu holen. Bis zu diesem Zeitpunkt spulten die Bands brav ihr Programm ab, legten aber auf Performance nicht so arg viel Wert. Nicht so Traumpfad, die ihre seit Jahren vernachlässigte Schwarz-Weiss-Show wieder hervorholten und zu ‚Totes Meer’ und ‚Im Regen’ eine perfekte und sehr ambitionierte Show boten. Das Tüpfelchen auf dem „I" bildete der Titelsong des aktuellen Albums „Die Kreise schließen sich" mit klasse Instrumentalparts und der Videoeinspielung vom „Kreislauf des Lebens und des Wassers" unter Synthesizer-Begleitung. Damit hatten Traumpfad einen wohltuenden und markanten Punkt in einem zwar hochwertigen Line Up gesetzt, das sich aber insgesamt zu sehr an den gängigen Musiktrends orientiert, und ihren Anspruch auf den ersten Platz in Stahlbeton gegossen!

Etwas unberechtigt mit dem siebten Platz abgewatscht wurden LUSCIOUS GRAPE, die mit ihrer extravaganten Mischung aus Rock, Pop und klassischem Bluesrock der 70-er Jahre, mit einem quirligen Sänger und zahlreichen Soli und Jam-Einlagen eine echte Rock’n’Roll-Show boten. Sich selbst ein Bein gestellt haben die slowenischen Hardrocker FORGOTTEN EDEN. Musikalisch einwandfrei und fett mit zwei Gitarren rockend, präsentierten sie mit viel Spielfreude und Spaß am Rocker-Posing den klassischen Hardrock und beginnenden Metal der 80-er Jahre im Stil von Accept, Axxis und Thunder. Wären sie damit vor 20 Jahren angekommen hätten sie ohne Zweifel gewonnen. So aber scheint es, als vergeudeten sie ihr Talent in einem Genre, das sich überlebt hat.

Die Zeit der Stimmauszählung überbrückten die Progressive-Art-Rocker MILK+ als „Special Guest" mit einer ausgeklügelten psychedlisch-spacigen-melancholischen Show, die eigentlich förmlich nach einem Labelvertrag schreit, aber nach bereits neun Bands auch keine ganz leichte Kost mehr für die Audience war. Dann die lautstark bejubelte Siegeskunde für Traumpfad und eine kurze spätnächtliche Siegesfeier. Gegen 2 Uhr morgens erfolgte der Aufbruch gen Heimat. Müde, aber überglücklich und zufrieden fuhren die knapp 80 Fans und Mitstreiter hinein in den Sonnenaufgang des Osterfestes und waren rechtzeitig zum Eiersuchen wieder daheim angekommen.

Mittlerweile ist klar: Traumpfad fahren als verdiente Sieger des Abends und insgesamt Sechstplatzierte von 27 Semi-Final-Bands am 01. Mai (Feiertag) zum Finale noch mal nach Wien. Es wird wieder mindestens zwei Busse geben. Da das Finale eine Open-Air-Veranstaltung ist und bereits um 12.30 Uhr beginnt, fahren die Busse diesmal bereits um 6 Uhr morgens beim John in Obing los. Die Rückfahrt ist für 22 Uhr geplant. Voraussichtlich wird aber mit Rücksicht auf diejenigen, die am nächsten Tag arbeiten müssen ein Bus früher zurückfahren. Karten gibt es ab sofort wieder unter traumpfad-band@t-online.de. Also Traumpfad-Fans: Auf geht’s zum Finale – jede Stimme zählt!

Externe Links:

Traumpfad
Traumpfad@myspace.com
International Austrian Band Contest

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